2. Gesundheitszustand von MigrantInnen(-gruppen)

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Inhaltsverzeichnis

Ergebnisse aus der Österreichischen Gesundheitsbefragung 2006/07

Im Bericht „Sozio-demographische und sozio-ökonomische Determinanten von Gesundheit. Auswertungen der Daten aus der Österreichischen Gesundheitsbefragung 2006/2007“ (Statistik Austria 2008) ist ein Kapitel dem Thema Migration und Gesundheit gewidmet. In der Analyse der Daten wird auf Unterschiede zwischen der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund und dem spezifischer Migrantengruppen, nämlich Migranten und Migrantinnen aus Ex- Jugoslawien und der Türkei eingegangen. Der Vergleich erfolgt dabei auf Basis altersstandardisierter Berechnungen, da sich der Altersaufbau der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund unterscheidet. Personen mit Migrationshintergrund sind überdurchschnittlich häufig junge Personen bzw. Personen im erwerbsfähigen Alter, während die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund einen weit höheren Anteil an alten Personen aufweist. Der folgende Abschnitt gibt einen knappen Überblick über die wesentlichsten Ergebnisse:

Subjektiver Gesundheitszustand

Die Wahrscheinlichkeit für einen sehr guten oder guten Gesundheitszustand, ist im Vergleich zu Migranten aus Ex-Jugoslawien oder der Türkei bei Männern ohne Migrationshintergrund über alle Altersgruppen hinweg mehr als doppelt so groß. Bei Frauen ohne Migrationshintergrund, ist die Wahrscheinlichkeit sich gesundheitlich sehr gut oder gut zu fühlen beinahe drei Mal so hoch wie bei Migrantinnen aus diesen Herkunftsländern.

Chronische Erkrankungen

Chronische Krankheiten treten bei Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei etwas häufiger auf als bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (Männer: 66% bzw. 59%; Frauen 69% bzw. 63%). Die Wahrscheinlichkeit an Migräne und häufigen Kopfschmerzen, chronischen Angstzuständen und Depression sowie an Wirbelsäulenbeschwerden zu leiden ist bei Männern mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Männern ohne Migrationshintergrund signifikant höher. Frauen mit Migrationshintergrund leiden im Vergleich zu Frauen österreichischer Herkunft deutlich häufiger an Diabetes (3,4-fach erhöhtes Risiko), gefolgt von Bluthochdruck, Depression und chronischen Angstzuständen, Arthrose, Arthritis und Gelenksrheumatismus. Dagegen ist das Risiko an Allergien zu erkranken bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Vergleich nur ein halb so hoch.

Schmerzprävalenz

Männer und Frauen mit Migrationshintergrund berichten deutlich häufiger über erhebliche Schmerzen während der letzten 12 Monate vor der Befragung als Personen ohne Migrationshintergrund (Männer: 41% bzw. 34%; Frauen: 44% bzw.39%). Im Vergleich zu Männern ohne Migrationshintergrund treten bei Migranten die Schmerzen signifikant häufiger in den Regionen Oberschenkel, Knie und Unterschenkel auf, sowie bei Schultern und am Rücken. Für Migrantinnen besteht im Vergleich zu Frauen ohne Migrationshintergrund ein doppelt so hohes Risiko an Migräne und Kopfschmerzen oder an Schmerzen in der Schulter zu leiden. Auch Schmerzen im Bereich der Hals- und Brustwirbelsäule sowie in Oberschenkel, Knie und Unterschenkel treten bei Migrantinnen signifikant häufiger auf.

Psychische Gesundheit

Die Lebensqualität wird von den MigrantInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei generell schlechter beurteilt als von Personen ohne Migrationshintergrund. Unterschiede zu ungunsten der MigrantInnen bestehen vor allem in den Bereichen Umwelt und allgemeine Lebensqualität, aber auch in Bezug auf Vitalität und das psychische Wohlbefinden. Die Beurteilung der sozialen Beziehungen dagegen fällt bei beiden Gruppen ähnlich aus.

Gesundheitsverhalten

Frauen mit Migrationshintergrund sind signifikant häufiger adipös als Frauen ohne Migrationshintergrund (23% bzw. 11%). Etwas weniger stark ausgeprägt sind die Unterschiede bei den Männern (17% mit Migrationshintergrund bzw. 11% ohne Migrationshintergrund).

Deutliche Unterschiede zeigen sich auch im Rauchverhalten. MigrantInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien oder der Türkei rauchen im Vergleich zu Frauen und Männern ohne Migrationshintergrund signifikant öfter täglich (Männer: 41% bzw. 26%; Frauen: 29% bzw. 21%).

Auch bezüglich der körperlichen Aktivität lassen sich Unterschiede nach Migrationshintergrund feststellen. Personen ohne Migrationshintergrund betreiben häufiger mindestens dreimal in der Woche Sport als Personen mit Migrationshintergrund (Männer: 32% bzw. 28%; Frauen: 24% bzw. 15%). Bei der jungen männlichen Bevölkerung (15 bis 34 Jahre) lassen sich keine Unterschiede nach Migrationshintergrund erkennen, hier beträgt die Aktivitätsquote in beiden Gruppen 40%.

Gesundheitsvorsorge

Als ein Indikator für die Inanspruchnahme präventiver Angebote wird die Teilnahme an Schutzimpfungen herangezogen. Bezogen auf alle Schutzimpfungen, die in der Gesundheitsbefragung abgefragt wurden (Grippe, Tetanus, FSME, Diphterie, Hepatitis A, Hepatitis B und Polio) zeigt sich, dass Personen ohne Migrationshintergrund häufiger einen aufrechten Impfschutz haben als MigrantInnen.

Vorsorgeuntersuchungen werden von MigrantInnen seltener genutzt, wobei hier die Unterschiede bei den Männern stärker ausgeprägt sind als bei den Frauen. Während knapp die Hälfte der Männer ohne Migrationshintergrund im Alter von 40 und mehr Jahren in den letzten drei Jahren vor der Befragung bei einem PSA-Test war, ging nur ein Fünftel der Migranten zu dieser Prostatakrebsvorsorgeuntersuchung. Die von Frauen am häufigsten in Anspruch genommene Vorsorgeuntersuchung ist die Mammographie. In den letzten drei Jahren vor der Befragung waren 70% der Frauen ohne Migrationshintergrund im Alter von 40 und mehr Jahren und 57% der Migrantinnen dieser Altersgruppe bei dieser Vorsorgeuntersuchung. Im letzten Jahr vor der Befragung wurde bei 57% der Frauen ohne Migrationshintergrund und 33% der Migrantinnen (bezogen auf Frauen im Alter zwischen 15 und 59 Jahren) ein Krebsabstrich durchgeführt. Auch die allgemeine Gesundenuntersuchung wird von MigrantInnen seltener in Anspruch genommen (bezogen auf das letzte Jahr vor der Befragung: Männer: 23% bzw. 11%; Frauen: 21% bzw. 16%).


Studien und weiterführende Links

Amesberger, Helga; Halbmayr, Brigitte; Liegl, Barbara (2003): Gesundheit und medizinische Versorgung von ImmigrantInnen. In: Fassmann / Stacher (Hg.): Österreichischer Migrations- und Integrationsbericht. Klagenfurt: Drava. 171-194 Abstract

Gesundheitszustand von Migrantinnen

Kilaf, Esra and Kirchengast, Sylvia (2008): Menopause between nature and culture: menopaual age and climacteric symptoms among Turkish immigrant women in Vienna, Austria. Acta Medica Lituanica, 15(1): 2-8 pdf

Kilaf, Esra (2008): Turkish Immigrant Women's Health in Austria. Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller Abstract

Piralic-Spitzl, Sanela (2003): Psychische Störungen bei MigrantInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien mit Wohnsitz im 15. Wiener Gemeindebezirk. Studie im Auftrag des Wiener Integrationsfonds [1]

Schmid, Julia; Kirchengast, Sylvia; Vytiska-Binstorfer, Elisabeth; Huber Johannes (2004): Infertility caused by PCOS--health-related quality of life among Austrian and Moslem immigrant women in Austria. Human reproduction (Oxford, England) 2004;19(10): 2251-7 pdf


Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen

Gesundheitszustand von Flüchtlingen und AsylbewerberInnen

Gesundheitszustand von älteren MigrantInnen


Literatur

Statistik Austria (2008): Sozio-demographische und sozio-ökonomische Determinanten von Gesundheit. Auswertungen der Daten aus der Österreichischen Gesundheitsbefragung 2006/2007. Wien: Statistik Austria im Auftrag des Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend pdf

Statistik Austria (2007): Österreichische Gesundheitsbefragung 2006/2007. Hauptergebnisse und methodische Dokumentation Wien: Statistik Austria im Auftrag des Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend pdf

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