Migration von Gesundheitspersonal

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Hintergrundinformationen

Statistisch betrachtet ist der Gesundheitssektor ein wichtiger Arbeitsplatz für MigrantInnen in der EU. Die ILO (International Labour Organization) berichtet, das dieser Arbeitsmarktsektor einer rapiden Globalisierung unterliegt, mit einer wachsenden Zahl migrantischer Arbeitskräfte in den Gesundheitsorganisationen der Aufnahmeländer. Gleichzeitig kann beobachtet werden, dass es in Industrieländern einen Mangel an ausgebildetem Gesundheitspersonal gibt, da die Nachfrage stärker zunimmt als das Angebot. Engpässe aufgrund dieses Mangels treten regelmäßig auf. Zwar sind diese Engpässe in ihrer Entwicklung schwer einzuschätzen - was nicht zuletzt an der schlechten Datenlage liegt - verschiedene Quellen deuten jedoch darauf hin, dass sie in ihrem Ausmaß weiter zunehmen werden. An ausgebildetem Pflegepersonal besteht derzeit in fast allen europäischen Ländern ein Mangel (Clark et al. 2007).

Österreich stellt ein wichtiges Zielland für Migration von Pflegekräften dar und kann diesbezüglich auf eine lange Tradition verweisen. Schätzungen der OECD nennen für Österreich 14,6% im Ausland geborene Ärzte und Arztinnen und 14,5% im Ausland geborene Pflegekräfte im Jahr 2000 (Buchan 2008). Eine Studie des Instituts für Sozialpolitik der Wirtschaftsuniversität Wien ergab, dass etwa 8,2% aller Pflegekräfte in österreichischen Krankenanstalten und 10,5% aller Pflegekräfte in österreichischen Alten- und Pflegeheimen einen nicht-österreichischen Ausbildungshintergrund haben. Rund 61% haben die Ausbildung in einem anderen EU-Land, 39% in einem Drittstaat absolviert (Lenhart & Österle 2007).

Die demografische Entwicklung in den meisten wohlhabenden europäischen Ländern, speziell die zunehmende Alterung der Bevölkerung und eine zunehmende Alterung des Gesundheitspersonals, lässt darauf schließen, dass diese Länder die Zuwanderung von Gesundheitspersonal in den nächsten Jahren aktiv ankurbeln werden (vgl. Buchan 2008: 22). Eine der fünf politischen Grundausrichtungen der Europäischen Union um diesen demografischen Herausforderungen der nächsten Jahre zu begegnen ist es daher, sich auf die Aufnahme und Integration von MigrantInnen vorzubereiten. Um den Bedarf des europäischen Arbeitsmarktes zu decken wird es als notwendig erachtet, qualifizierte Arbeitskräfte von außen anzuziehen und wirtschaftlich und sozial einzugliedern (vgl. Europäische Kommission 2006).


Literatur und weiterführende Links

Buchan, James (2008): How can the migration of health service professionals be managed so as to reduce any negative effects on supply? Conference policy brief. Copenhagen: WHO Regional Office for Europe www

Carrington, Kimberley; Cepek-Neuhauser, Elisabeth; Küng, Gabriela (2005): Möglichkeiten der Ausbildung und Berufstätigkeit für Migrantinnen im Gesundheits- und Pflegebereich Österreichs: Herausforderungen und Empfehlungen. Nationaler Bericht innerhalb des Leonardo da Vinci Projektes: „Vorqualifizierung für Migrantinnen im Gesundheits- und Pflegebereich” pdf

Clark P.F., Stewart J.B., Clark D.A. (2007): Migration and Recruitment of Healthcare Professionals: Causes, Consequences and Policy Responses Policy brief. Focus Migration. Hamburg: Institute of International Economics, No. 7

EMN/European Migration Network (2006): Small-Scale Study II – Managed Migration and the Labour Market – The Health Sector. Austrian Report. pdf

Europäische Kommission (2006): Die demografische Zukunft Europas - Von der Herausforderung zur Chance. Mitteilung der Kommission www

Karl-Trummer, Ursula; Novak-Zezula, Sonja; Glatz, Astrid; Metzler, Birgit (2010): „zwei Mal ‚Bitte?’, dann hat die keine Geduld mehr und schimpft sie schon“ Kulturelle Lernprozesse zur Integration von migrantischen Pflegekräften. In: SWS-Rundschau (50. Jg.) Heft 3, 340-356

Karl-Trummer, Ursula, Novak-Zezula (2010): „Jetzt ich habe gelernt runterschlucken und aus“: Integration von migrantischen Pflegekräften in österreichische Gesundheitseinrichtungen. Erscheint demnächst in: Raison - Zeitschrift für gesellschaftliche Entwicklung

Karl-Trummer, Ursula; Novak-Zezula, Sonja (2009): „Zilk war in meine Stadt und hat gesagt Wien brauchen Krankenschwestern“ Integration von Health Professionals in österreichischen Gesundheitseinrichtungen. Präsentation im Rahmen der ÖGPH-Tagung, Linz, 24./25. September 2009. pdf

Lenhart, Maureen; Oesterle, August (2007): Migration von Pflegekräften: Österreichische und europäische Trends und Perspektiven. In: Österreichische Pflegezeitschrift, vol.12/2007, 8-11. pdf

Projekt diversity@care - MigrantInnen in der mobilen Pflege und Betreuung. Projektzeitraum: 1.7.2005 bis 30.6.2007 www

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