Undokumentierte MigrantInnen

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Hintergrundinformationen

Undokumentierte Migration ist in Österreich kein Thema mit hohem Stellenwert in der öffentlichen Diskussion. Ausnahmen der medialen Präsenz von Einzelfällen (wie der Fall Arigona Zogaj, www) bestätigen diesen Umstand. Daten und Informationen sind dementsprechend knapp.

Wie für alle Europäischen Länder sind auch für Österreich nur Schätzungen zur Zahl der undokumentierten MigrantInnen verfügbar. Diese Schätzungen nennen Ziffern zwischen 17.000 und 100.000 Menschen, die sich ohne offiziellen Aufenthaltstitel im Land befinden (BMGF 2003). In aktuellen Studien werden diese Zahlen kritisiert und es wird betont, dass auf Basis der verfügbaren Daten keine seriösen Angaben zu irregulärer Migration in Österreich zu machen sind (Kraler et al. 2008).

Studien weisen darauf hin, dass es keinen umfassenden rechtlichen Ansatz gibt, um irreguläre MigrantInnen zu legalisieren bzw. zu regularisieren. Die bestehenden Verfahren basieren auf selektiven oder individuellen Regularisierungen, ein explizites Programm zur Regularisierung irregulärer MigrantInnen wurde in Österreich bis dato nicht implementiert (Kraler et al. 2008; Baldwin-Edwards & Kraler 2009b).

Das Humanitäre Bleiberecht, das erstmals 1997 eingeführt wurde und vom Innenministerium zuerkannt wird, ist für sich irregulär aufhaltende Angehörige von Drittstaatenländern die einzige vom Staat gewährleistete Möglichkeit, einen legalen Aufenthaltstitel zu erlangen. In den letzten Jahren ging die Zahl der Personen, denen ein Humanitäres Bleiberecht zuerkannt wurde, drastisch zurück, von 1.500 Personen im Jahr 2001 zu 460 Personen im Jahr 2007 (vgl. Kraler et al. 2008).


Anspruch auf Gesundheitsleistungen

In der österreichischen Gesetzgebung gibt es für die Gesundheitsversorgung undokumentierter MigrantInnen keine spezifische Regelung. Gemäß des österreichischen Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetzes dürfen öffentliche Krankenanstalten in Notfällen erste ärztliche Hilfe niemandem verweigern. Wird medizinische Behandlung in Anspruch genommen, müssen undokumentierte MigrantInnen für die entstandenen Kosten selbst aufkommen, da sie von Leistungen des Sozialsystems – und somit auch von der Krankenversicherung – ausgeschlossen sind. In Fällen, in denen die nötigen finanziellen Mittel nicht aufgebracht werden können bzw. die Identifikation von PatientInnen nicht möglich ist, müssen die Krankenanstalten diese Kosten aus ihrem Budget tragen.


Einrichtungen zur Gesundheitsversorgung von undokumentierten MigrantInnen

Möglichkeiten kostenloser medizinischer Behandlung sind für Personen ohne Krankenversicherung oder Kostenabdeckung durch die Sozialhilfe nur begrenzt vorhanden. In Österreich gibt es einige etablierte Anlaufstellen, die zwar nicht explizit für undokumentierte MigrantInnen, aber generell für Menschen in Notsituationen Gesundheitsleistungen vermitteln oder selbst anbieten.

In der Praxis lassen sich zwei Hauptakteure zur Gesundheitsversorgung undokumentierter MigrantInnen unterscheiden:

1. Krankenhäuser

2. NGOs als Vermittlungsstellen und als direkte Anbieter von Gesundheitsversorgung


Lesen Sie mehr dazu in Karl-Trummer, Ursula; Novak-Zezula, Sonja; Metzler, Birgit (2009): Gesundheitsservices im Niemandsland: Funktionale Ignoranz und informelle Solidarität


Weitere Informationen zum Thema Gesundheitsversorgung für undokumentierte MigrantInnen in der EU finden Sie auf der Website des Projekts "Health Care in NowHereland - Improving services for undocumented migrants in the EU"


Literatur und weiterführende Links

Baldwin-Edwards, Martin & Kraler, Albert (2009): REGINE Regularisations in Europe. Study on practices in the area of regularisation of illegally staying third-country nationals in the Member States of the EU. Final Report. Vienna: ICMPD pdf

Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend (Hg.) (2003): Quantitative und qualitative Erfassung und Analyse der nicht-krankenversicherten Personen in Österreich. Studie des Europäischen Zentrums für Wohlfahrtspolitik und Sozialforschung im Auftrag des BMGFJ. Endbericht. Wien: BMGFJ pdf

Bundesministerium für Inneres (2009): Organisierte Schlepperkriminalität. Jahresbericht 2008. Wien: BM.I pdf

Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (2007): Austria Country Report. Work Package 2. In the framework of the project UWT/Undocumented Worker Transitions funded under the EU Sixth Framework Programme. Contract Number: 044272. pdf

IOM/International Organization for Migration (2005): Illegal Immigration in Austria. A survey of recent Austrian migration research. Austrian contribution to the European Research Study Project II: “Illegally Resident Third Country Nationals in the EU Member States: State Approaches Towards Them and Their Profile and Social Situation”. Wien: IOM pdf

Jandl, Michael (2009): A multiplier estimate of the illegally resident third-country national population in Austria based on crime suspect data. Hamburg Institute of International Economics. Database on Irregular Migration. Working Paper No. 2/2009 pdf

Karl-Trummer, Ursula, Novak-Zezula, Sonja, Metzler, Birgit (2010): Access to healthcare for undocumented migrants in the EU: A first landscape of NowHereland. In: Eurohealth, Vol 16 No 1, 13-16 pdf

Karl-Trummer, Ursula, Novak-Zezula, Sonja, Metzler, Birgit (2009): Gesundheitsservices im Niemandsland: Funktionale Ignoranz und informelle Solidarität. In: Rásky, Eva (Hg.): Gesundheit hat Bleiberecht. Migration und Gesundheit. Wien: Facultas Verlag

Karl-Trummer, Ursula; Metzler, Birgit; Novak-Zezula, Sonja (2009): Health Care for Undocumented Migrants in the EU: Concepts and Cases. Background Paper developed within the framework of the IOM project “Assisting Migrants and Communities (AMAC): Analysis of Social Determinants of Health and Health Inequalities”. Brussels: IOM. pdf

Karl-Trummer, Ursula; Novak-Zezula, Sonja; Metzler, Birgit (2009): Managing a Paradox: Health Care for Undocumented Migrants in the EU. In: Finnish Journal of Ethnicity and Migration; 4, 2; 53-60 pdf

Karl-Trummer, Ursula; Novak-Zezula, Sonja; Metzler, Birgit (2009): Policy Brief: Health Care for Undocumented Migrants in the EU: Concepts and Cases. Developed within the framework of the IOM project “Assisting Migrants and Communities (AMAC): Analysis of Social Determinants of Health and Health Inequalities”. Brussels: IOM. pdf

Karl-Trummer, Ursula (2009): Inklusion durch Exklusion: Paradoxienmanagement der Gesundheitsversorgung von Menschen ohne Papiere. In: Theda Borde, Matthias David, Ingrid Papies-Winkler (Hg.): Lebenslagen und Gesundheitliche Versorgung von Menschen ohne Papiere. Frankfurt am Main: Mabuse-Verlag

Kraler, Albert et al. (2008): CLANDESTINO Undocumented Migration: Counting the Uncountable. Data and Trend across Europe, Country Report Austria. Country report prepared for the research project CLANDESTINO Undocumented Migration: Counting the Uncountable. Data and Trends across Europe funded under the 6th Framework Programme of the European Union pdf

PICUM/Platform for International Cooperation on Undocumented Migrants (2007): Access to Health Care for Undocumented Migrants in Europe. Brussels: PICUM pdf

Projekt CLANDESTINO. Das Zählen des Unzählbaren: Daten und Trends in Europa (2009): Kurzdossier - Österreich. pdf

Rásky, Eva (Hg.) (2009): Gesundheit hat Bleiberecht. Migration und Gesundheit. Wien: Facultas Verlag

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