1. Hintergrundinformationen zu Menschen mit Migrationshintergrund, -populationen, Einwanderungs- und Integrationspolitik, usw

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Hier finden Sie allgemeine Daten und Informationen zu Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland.
Konzepte und Kategorien zur Identifizierung von Migranten und ethnischen Minderheiten, sowie ein kleiner historischer Überlick sollen Inhalt dieses Themas sein.
Weitere Inhalte, die Sie hier finden oder einstellen können:

  • Zusammenfassende Statistiken zu aktuellen Populationen
  • Soziale und demografische Eigenschaften verschiedener Gruppen (Alter, Geschlecht, Erwerbstätigkeit, Bildung, usw.)
  • Gesetze und Verfahren in der Verwaltung von Menschen mit Migrationshintergrund und ihr Status in der Gesellschaft
  • Öffentliches Verhalten, politisches Klima und inter-ethnische Beziehnungen




Inhaltsverzeichnis

Definitionen

(Definitions)


Verlegt eine Person ihren Lebensmittelpunkt räumlich, so wird von Migration gesprochen, dies kann innerhalb oder außerhalb der Landesgrenzen geschehen. Im Volksmund wird unter Migration jedoch die internationale Migration verstanden. Diese beinhaltet die Zu- und Fortzüge über die Grenzen des Landes hinweg.


Es besteht die Pflicht, sich bei einem Wohnungswechsel über die Grenzen Deutschlands hinweg, bei der zuständigen kommunalen Meldebehörde an- bzw. abzumelden (Meldegesetze des Bundes und der Länder). Ausgenommen sind hierbei Mitglieder ausländischer Stationierungskräfte, sowie Personen in diplomatischen und konsularischen Vertretungen mit ihren Angehörigen. Erfasst werden bei der Meldung folgende personenbezogene Angaben: Ziel- oder Herkunftsort, Geschlecht, Familienstand, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit und rechtliche Zugehörigkeit bzw. Nichtzugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft. Die Daten der Ab- und Anmeldungen in den Kommunen werden in den Statistischen Landesämtern zusammengetragen und an das Statistische Bundesamt überführt. Über Dauer und Form der Migration kann aufgrund der Datenerhebung also keine Aussage getroffen werden. Es bleibt offen, ob jemand als Asylbewerber, Spätaussiedler, Student, etc. eingereist ist.


Daten und Fakten zu Migration und Gesundheit müssen auf einer transparenten und nachvollziehbaren Definition von "Migranten" basieren, damit eine Vergleichbarkeit hergestellt werden kann. Eine häufig genutzte, aber u.a. angesichts der Möglichkeit des

Wechsels der Staatsbürgerschaft nicht unproblematische Klassifizierung erfolgt insbesondere in den amtlichen Daten hhäufig nach aktueller Staatsangehörigkeit. Personen mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit werden als Ausländerinnen und Ausländer bezeichnet.


Der Mikrozensus 2005 ermöglicht eine genauere Betrachtung des Migrationsgeschehens in Deutschland. Zusätzlich zur Ausländischen Bevölkerung werden hier Deutsche mit Migrationshintergrund näher betrachtet. Auch die Form der Einwanderung (z.B. Student, Spätaussiedler oder Asylbewerber) wird im Mirkozensus näher untersucht.


Übersicht - Menschen mit Migrationshintergrund

(Overview - people with migration background)


1. Ausländer

1.1 Zugewanderte Ausländer

– Ausländer der 1. Generation

1.2 In Deutschland geborene Ausländer

– Ausländer der 2. und 3. Generation

2. Deutsche mit Migrationshintergrund

2.1 zugewanderte Deutsche mit Migrationshintergrund

– Spätaussiedler,

– eingebürgerte zugewanderte Ausländer,

2.2 nicht zugewanderte Deutsche mit Migrationshintergrund

– eingebürgerte nicht zugewanderte Ausländer,

– Kinder zugewanderter Spätaussiedler,

– Kinder zugewanderter oder in Deutschland geborener eingebürgerter ausländischer Eltern,

– Kinder ausländischer Eltern, die bei Geburt zusätzlich die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten haben (ius soli),

– Kinder mit einseitigem Migrationshintergrund, bei denen nur ein Elternteil Migrant ist


Ausländer und Deutsche mit Migrationshintergrund werden zudem nochmals untergliedert nach Staatsangehörigkeit und Geburtsland.

Die Allgemeinbevölkerung unterscheidet jedoch meistens nicht zwischen diesen verschiedenen Gruppen, sondern verwendet synonym für diese Gruppen den Begriff Migranten.


Gesetze

(laws)

das Zuwanderungsgesetz

das Aufenthaltsgesetz

das Asylverfahrensgestz

Genfer Flüchtlingskonvention

Hier finden Sie weitere Gesetze und Richtlinien.

Zahlen

(figures)

Abb. 1: Migrationshintergrund der Bevölkerung 2005 Quelle: Bundesministerium des Inneren
Abb. 1: Migrationshintergrund der Bevölkerung 2005 Quelle: Bundesministerium des Inneren

Laut Statistischem Bundesamt lebten im Jahr 2005 insgesamt etwa 8 Millionen Deutsche mit Migrationshintergrund und circa 7,3 Millionen Ausländer in Deutschland. Insgesamt haben also 15,3 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund, das sind etwa 19% der Gesamtbevölkerung.

Untergliedert man diese Gruppe nach der eigenen Migrationserfahrung, so haben 68% eine eigene Migrationserfahrung, davon sind 36% Ausländer und 32 % Deutsche mit Migrationshintergrund (Spätaussiedler mit eigener Migrationserfahrung und Eingebürgerte mit eigener Migrationserfahrung). Die übrigen 32% der Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland haben keine eigenen Migrationserfahrungen. Die Ausländer machen hier einen Anteil von 11% aus, die Deutschen mit Migrationshintergrund betragen 21% (vgl. Abb.1).


weitere Zahlen zu Migration in Deutschland finden Sie hier


Lebensbedingungen von Migranten und Auswirkungen auf die Gesundheit

Zusammenhang von Gesundheit und sozialer Lage

Die Startbedingungen in Deutschland sind je nach Migrant sehr unterschiedlich. Manche kamen als Gastarbeiter oder Asylanten, andere als Aussiedler oder Hochqualifizierte. Die Qualität der Integration und Gesundheit hängt dabei wesentlich von der sozialen und wirtschaftlichen Lage des Migranten ab (vgl. Gestring et al. 2006).

Das bedeutet, der Grad der sozialen und ökonomischen Benachteiligung zeigt sich am deutlichsten in den Unterschieden im Gesundheitszustand der Angehörigen aus den verschiedenen Sozialschichten (vgl. Helmert 2003, Mielck 2000 und 2005). Dies bestätigen auch Untersuchungen, wonach die unteren Sozialschichten vermehrt Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind und daher gesundheitlich benachteiligt werden (vgl. Mielck 2000 und 2005, Davidson und Townsend 1982). Vor allem aber zeigen sich negative Auswirkungen auf das spezifische Gesundheitsverhalten der benachteiligten Personen, beispielsweise durch ein ungünstigeres Rauchverhalten (vgl. Waller 2006).

Migranten werden hierbei besonders häufig mit ungleichen Bildungschancen und beruflichen Abstiegs- und Deklassierungsprozessen aufgrund ihres Migranten-, beziehungsweise Minderheitenstatus konfrontiert (vgl. Schenk 2007). Dies trifft Zugewanderte aus der Türkei, den „klassischen“ südeuropäischen Herkunftsländern Italien, Spanien, Griechenland und Portugal, sowie die meisten Spätaussiedler aus dem ehemaligen Jugoslawien, in besonderer Weise, da sie oftmals den unteren Sozialschichten angehören (vgl. BMGS 2005, Bredehorst et al. 2008, Gestring et al. 2006, Klingholz et al. 2009, Okken et al. 2008, Thürsam 2008, Weiss 2007). Die soziale Lage vieler Ausländer ist soziologisch sogar als „Unterschichtung“ gekennzeichnet, das heißt die Lebensbedingungen sind noch benachteiligter als diejenigen der Unterschicht-Angehörigen (vgl. Häußermann und Siebel 2000).

Bildung als entscheidender Faktor des Gesundheitsverhaltens

Ein wichtiger Indikator der sozialen Integration sind die Bildungs- und Ausbildungschancen, da sie für die soziale, kulturelle und politische Teilhabe der Migranten in Deutschland von großer Bedeutung sind. Empirische Studien über die massive Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund gibt es viele. Trotz der hohen Lernbereitschaft gibt es immer noch wesentliche Defizite im Vergleich mit Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Vor allem die unterdurchschnittlichen Ergebnisse von Jugendlichen türkischer Herkunft wurden mehrfach belegt (vgl. BMGS 2005, Diefenbach 2008, Esser 1990, Klingholz et al. 2009, Kristen 2002, Thürsam 2008).

Die in Deutschland geborenen Migrantenkinder haben zwar meist einen „besseren“ Schulabschluss als die Zugewanderten, die Anzahl der Abschlüsse liegt allerdings immer noch unter dem der deutschen Jugendlichen (vgl. Diefenbach 2008, Häußermann 2008, Klingholz et al. 2009). Gründe für die schlechteren Schulleistungen sind vor allem Sprachdefizite. Dies liegt überwiegend daran, dass in den Familien oftmals eine andere Lernkultur vorgegeben wird und trotz jahrelangem Aufenthalt in Deutschland, sowohl in der Familie als auch in der Freizeit, nicht in der deutschen Sprache kommuniziert wird (vgl. Diefenbach 2008, Klingholz et al. 2009, Weiss 2007, Wilp 2007).

Auch in der beruflichen Ausbildung werden junge Menschen aus Migrantenfamilien benachteiligt. Zum einen liegt das an einem hohen Anteil der Migrantenkinder, die die Schule ohne Abschluss verlassen, zum anderen wird die Wichtigkeit einer guten Berufsausbildung in den Migrantenfamilien falsch eingeschätzt. Aber auch Einstellungshemmnisse von Seiten der Arbeitgeber führen zu den Ausbildungsunterschieden (vgl. Granato 2008, Häußermann 2008).

In ökonomischer Hinsicht wirkt sich eine fundierte Ausbildung insbesondere auf das eigene Leistungs- und Arbeitsvermögen, die berufliche Stellung und einer besseren Berufsperspektive, aus. Ebenso besteht eine Abhängikeit zum Erwerbseinkommen und weiteren beruflichen Gratifikationen (vgl. Wulfhorst 2002).

Außerhalb der Arbeitswelt ist Bildung eine wichtige Ressource für die Ausprägung von gesundheitsförderlichem Verhalten und einer gesunden Lebensweise. So variieren Ernährungs-, Bewegungs- und Entspannungsverhalten offensichtlich mit dem Bildungsgrad. Bildungsunterschiede wirken sich aber auch auf die Inanspruchnahme von Informationsangeboten zu gesundheitsrelevanten Themen aus (vgl. Häferlinger et al. 2005, Hurrelmann 2006). Ebenso kann eine fundierte Bildung die Ausprägung von sozialen Kompetenzen und der Persönlichkeitsentwicklung der Migranten stärken. Der Umgang mit gesellschaftlichen Anforderungen und die Bewältigung von schweren Lebenssituationen, wie beispielsweise die Bewältigung von Migrationserfahrungen, können dadurch erleichtert werden. Auch die Lebenszufriedenheit und gesundheitliche Lebensqualität hängen mit der Bildung zusammen (vgl. Wulfhorst 2002). Dementsprechend wird Gesundheit mit abnehmendem Bildungsniveau schlechter eingeschätzt. Folglich sind nicht nur vorhandene Erkrankungen und Beschwerden, sondern auch gesundheitsbezogene Einstellungen und Wahrnehmungen bei der Bewertung der eigenen Gesundheit von Bedeutung (vgl. Eichler 2008). Ein Nachholbedarf besteht demnach vor allem in der Gesundheitsbildung von benachteiligten Bevölkerungsgruppen, wie den Migranten.

Hurrelmann (2006, S. 41) fasste den Bildungsaspekt in Bezug zum Gesundheitsverhalten wie folgt zusammen: „Das besondere Potential von Bildung scheint in der Kompetenz zu liegen, Wissen in Handlung umzusetzen und eine Fähigkeit zur selbst gesteuerten Kontrolle des Verhaltens aufzubauen.


Gesundheitliche Folgen von Erwerbstätigkeit und wirtschaftlicher Situation bei Migranten

Die Ergebnisse des Mikrozensus im Jahr 2005 bestätigen nicht nur die Defizite in der Ausbildung von Migranten und deren Nachkommen, sondern auch deren Auswirkungen auf die Erwerbsquote. So nehmen 39,6% der Migranten am Erwerbsleben teil, wohingegen es bei der Mehrheitsbevölkerung 45,5% sind (vgl. StaBA 2007). Beschäftigungsverhältnisse von Migranten aus den ehemaligen Anwerberländern und Osteuropa konzentrieren sich überwiegend in Arbeiterpositionen und weniger im Angestelltensektor. Werden die Wirtschaftsbereiche zu vier Sektoren zusammengefasst, ist der Anteil von Erwerbstätigen aus den früheren Anwerberländern und aus Osteuropa im produzierenden Gewerbe am größten. Dagegen sind sie in den Sektoren „Land-, Forstwirtschaft/Fischerei“, „Handel/Gastronomiegewerbe/Verkehr“ und den „sonstigen Dienstleistungen“ unterrepräsentiert. Migranten aus den anderen europäischen Ländern und den USA weisen hingegen ähnliche Verteilungen wie die deutsche Bevölkerung auf (vgl. Gestring et al. 2006, Granato 2004). Auffällig sind die durchschnittlich höheren beruflichen Positionen von Migranten mit deutschem Pass im Vergleich zu den Migranten mit ausländischer Staatsbürgerschaft (vgl. Haug 2002). Dies spiegelt sich auch in den besseren Integrationswerten von Eingebürgerten gegenüber Ausländern wider (vgl. Klingholz et al. 2009).

Die schlechte berufliche Lage bestimmter Migrantengruppen liegt überwiegend an den un- und angelernten Gastarbeitern, die sich in Deutschland in der unteren Ebene der Arbeitshierarchie befinden. Auch wenn die zweite Generation ihre Lage verbessern konnte sind sie immer noch häufiger in Arbeitsverhältnissen mit niedrigen Qualifikationsanforderungen beschäftigt (vgl. Gestring et al. 2006).

Laut Häfelinger et al. (2005) gibt es auch Unterschiede in Hinblick auf die Erwerbslosigkeit von Migranten. So ist die Arbeitslosenquote von Nicht-Deutschen mit 20,4% wesentlich höher als die Arbeitslosenquote von allen Erwerbspersonen (11,7%). Differenziertere Darstellungen stellen auch eine höhere Arbeitslosigkeit der Migranten fest. Somit bleibt auch bei den jüngeren Generationen der Zugewanderten eine hohe Erwerbslosigkeit aufgrund eines niedrigen Bildungsniveaus, einer mangelhaften Ausbildung oder schlechterer Sprachkenntnisse bestehen (vgl. Klingholz et al. 2009). Neben den genannten Qualifikationsdefiziten wird die hohe Arbeitslosigkeit unter Migranten hauptsächlich anhand drei weiterer Faktoren begründet. Der erste Faktor umfasst den wirtschaftlichen Strukturwandel mit Rückgang der industriellen Produktion und gleichzeitiger Automatisierung einfacher Arbeitsvorgänge, der Deutschland in den letzten Jahren durchzieht. Oftmals wird die Produktion auch ins Ausland verlegt. Die Arbeitsmarktchancen der Geringqualifizierten nehmen dementsprechend ab. Der zweite Faktor ist die Abhängigkeit der Zuwandererbeschäftigung mit konjunkturellen Aspekten. Es wird davon ausgegangen, dass Migranten überproportional häufig befristete Arbeitsverträge haben, die in schlechteren Zeiten von den Arbeitgebern nicht verlängert werden und somit sehr anfällig für Konjunkturschwankungen sind. Der letzte Faktor ist die Diskriminierung der Migranten bei der Besetzung von Arbeitsplätzen. Daten belegen, dass Migranten mit gleichen Zugangsvoraussetzungen wie Personen ohne Migrationshintergrund trotz allem nicht eingestellt werden. Gründe hierfür liegen zunächst eventuell an einem weniger effektiven Verhalten bei der Arbeitsplatzsuche, vor allem aber ist die Personenauswahl der Arbeitgeber entscheidend. Mitte der 90er Jahre konnte eine Studie diskriminierende Einstellungspraktiken der Arbeitgeber in Deutschland feststellen. Oftmals findet diese Verhaltensweise allerdings unbewusst statt (vgl. Wilp 2004).

Demnach ist die Bedrohung den Arbeitsplatz zu verlieren unter Migranten aufgrund ihres geringen Qualifikationsniveaus besonders präsent. Die Konzentration von Migrantengruppen im unteren Hierarchiebereich oder der Abstieg durch Arbeitslosigkeit hat unmittelbar auch Folgen für die gesundheitliche Situation, sowie die soziale Lage und Position in der Gesellschaft. Zurückzuführen lässt sich dies in erster Linie auf das durchschnittlich geringere Einkommen von Migranten. Von Armut betroffene Personen leiden unter stärkeren gesundheitlichen Beeinträchtigungen, und schätzen ihre eigene Gesundheit sowie ihre eigene Lebensqualität als schlechter ein (vgl. Heinzel-Gutenbrunner 2001). Darüber hinaus arbeiten ausländische Erwerbstätige, insbesondere aus dem ehemaligen Jugoslawien, sowie türkische und südeuropäische Staatsangehörige, häufiger in belastenden und gefährlichen Arbeitsverhältnissen. Das Arbeitsverhältnis wiederum hat einen starken Einfluss auf die Gesundheits- und Krankheitsdynamik, da die Arbeitsbedingungen den gesamten Tagesrhythmus und somit auch die Lebensbedingungen von Menschen bestimmen (vgl. Golka und Griefahn 2006). Insbesondere arbeitsbezogene Gesundheitsrisiken, wie starke körperliche Anstrengungen, negative Umgebungseinflüsse, beispielsweise durch zuviel Staubexpositionen, oder psychische und psychosoziale Belastungen durch monotone Arbeitsabläufe, Zeitdruck oder Schwierigkeiten mit dem Vorgesetzten, führen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wie Arbeitsunfähigkeit, Frühberentung oder zur Notwendigkeit von Rehabilitationsmaßnahmen (vgl. Aust 2000, Badura et al. 2004, Siegrist 1996). Dies deckt sich auch mit den Ergebnissen der Betriebskrankenkassen (BKK), wonach pflichtversicherte Arbeitnehmer aus den genannten Herkunftsländern vermehrt von gesundheitlichen Einschränkungen betroffen sind. Im Gegensatz dazu liegt der Krankenstand von Angehörigen aus den anderen europäischen Staaten, sowie aus Afrika und Amerika durchschnittlich auf niedrigem Niveau. Die niedrigsten Krankenstände unter den BKK Pflichtmitgliedern haben asiatische Beschäftigte. Ihr Tätigkeitsschwerpunkt liegt überwiegend in kleinbetrieblichen Branchen wie dem Gastgewerbe (vgl. BKK Bundesverband 2007).


Wohnverhältnisse und die daraus resultierende Segregation in Siedlungsgebieten

Die zuvor beschriebene problematische Arbeitsmarktlage und Arbeitssituation von Migranten hat unmittelbare Auswirkungen auf die Wohnverhältnisse. So ergeben sich Unterschiede in der Wohnungsgröße und im Zusammenleben von Migranten im Vergleich mit der deutschen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Bei den Daten zur Wohnungsfläche wird allerdings lediglich zwischen ausländischen und deutschen Staatsangehörigen unterschieden. Deutsche Haushalte haben im Durchschnitt 88,2m2 zur Verfügung, wohingegen ausländische Haushalte nur über 71,8m2 verfügen. Ebenso wohnen Ausländer häufiger in Mehrfamilienhäusern (vgl. StaBA 2001).

Ergebnisse des Sozio-ökonomischen Panels belegen, dass Migranten im Jahr 2001 seltener Singlehaushalte beziehungsweise kinderlose Haushalte führten, wohingegen Familienhaushalte vermehrt auftraten. Ein wesentlicher Unterschied zeigte sich auch bei Haushalten mit älteren, allein lebenden Migranten, die im Vergleich zu Personen ohne Migrationshintergrund wesentlich seltener auftraten (vgl. Dathe et al. 2004).

Auch Häußermann und Siebel (2000) konnten belegen, dass Ausländer im Durchschnitt wesentlich beengter und in schlechter ausgestatteten, älteren Wohnungen leben. Bedingt durch das durchschnittlich geringere Einkommen in Migrantenfamilien, wohnen vor allem sie in Wohngegenden mit ungünstigen Umgebungseinflüssen und hohen Umweltbelastungen (vgl. Häußermann und Siebel 2000, Okken et al. 2008). Waller (2006) nennt in diesem Zusammenhang auch die gesundheitlichen Folgen, die aus einer ungeeigneten Wohnungslage entstehen können. Demnach kann durch Lärm, Luftverschmutzung, einem gefährlichen Verkehrsaufkommen, einer mangelnden Abfallbeseitigung und durch das Fehlen von Grünanlagen, ein erhebliches Gesundheitsrisiko für die Menschen entstehen (vgl. Waller 2006).

Auffällig bei den Wohnverhältnissen der Migranten ist die ethnische Verdichtung in Siedlungsgebieten der deutschen Großstädte. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Schlagwörter wie „Parallelgesellschaften“ oder „soziale Ghettos“ seit einigen Jahren die internationalen Medien begleiten und auf eine mögliche Abschottung der Zuwanderer und deren Nachkommen hinweisen (vgl. Gestring et al. 2006). Die Konzentration von Migranten in Siedlungsgebieten ist für die Betroffenen durch die Wohnungsmarktsituation jedoch oftmals nicht anders realisierbar (vgl. Klingholz et al. 2009, Meyer 2002).

Weitere Erklärungen für die geringen Eingliederungsprozesse, beziehungsweise die Segregation von vor allem türkischen Migranten in Siedlungsgebieten, beziehen sich auf den Familienzusammenhalt, die Schichtzugehörigkeit, das Migrationsschicksal und das Heiratsverhalten. Segregation bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Migrant an seiner kulturellen Herkunft festhält und nicht bestrebt ist, sich ein neues soziales Netzwerk in der Aufnahmegesellschaft aufzubauen. Die Netze der Migranten weisen hierbei einen starken Lokalbezug auf, da vorzugsweise Wohnungen gemietet werden, die sich in der Nähe der Familie befinden, da die Familie als Unerstützungssystem gilt. Hinzu kommen die typischen Eigenschaften, die sich bei den sozialen Netzen von Menschen aus den unteren sozialen Schichten häufig beobachten lassen. Sie sind klein, familienzentriert, lokal gebunden und homogen. Migrantenkinder bleiben häufig in der sozialen Schicht ihrer Eltern und somit auch in den gleichen Netzwerken. Hinzu kommen die begrenzten Kontakte zur Mehrheitsbevölkerung. In der Startphase in Deutschland werden zunächst vor allem Kontakte zu sprachlich eigen-ethnischen Netzen gesucht (vgl. Gestring et al. 2006, Klingholz et al. 2009, Meyer 2002, Strodl und Weiss 2007). Hierzu gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Migrantenvereinen, die von Zuwanderern gegründet wurden, um Kontakt zu Vertretern der gleichen Volksgruppe zu ermöglichen (vgl. Sezer 1991). Auch im Gesamtbild von Stadtteilen spiegelt sich die Konzentration von Migrantengruppen wider, da sich zunehmend ausländische Lebensmittelgeschäfte, Moscheen, Sportwetten–Cafés oder Kulturvereine ansiedeln (vgl. Ceylan 2006). Ebenso verstärken ähnliche Migrationserfahrungen das Bedürfnis eines gemeinsamen Austausches, auch um die Aufrechterhaltung der Herkunftskultur und Herkunftsidentität zu gewährleisten und einen oftmals „befürchteten“ Identitätsverlust zu verhindern (vgl. Sezer 1991). Überwiegend unter den türkischen Migranten kommt das Heiratsverhalten als Katalysator für die Segregation von Migrantengruppen hinzu. Vorzugsweise werden Partner aus dem gleichen Umfeld geheiratet (vgl. Gestring et al. 2006, Strodl und Weiss 2007). Migranten gleicher Volksangehörigkeiten sind somit in vielfacher Hinsicht miteinander verbunden. Dies wird durch die Tatsache bestärkt, dass vor allem viele türkische Zuwanderer beruflich eine selbständige Tätigkeit aufnehmen und beispielsweise Lebensmittelläden, Friseurbetriebe oder Restaurants eröffnen (vgl. Ceylan 2006), die wiederum hauptsächlich von ethnisch Gleichgesinnten genutzt werden (vgl. Haberfellner und Koldaş 2002).

Problematisch ist allerdings der Begriff der „Parallelgesellschaft“ in Zusammenhang mit der ethnischen Gruppenbildung von Migranten in bestimmten Stadtteilen. Nach einer Definition von Meyer (2002) gibt es Kriterien, die erfüllt sein müssen, um von einer Parallelgesellschaft sprechen zu können. Es muss unter anderem eine lebensweltliche, zivilgesellschaftliche und ökonomische Abschottung vorhanden sein. Diese Kriterien werden in Deutschland nahezu in keiner kollektiven Lebensform der Zugewanderten erfüllt (vgl. Meyer 2002).

Klaus Bade (2006) betont in diesem Zusammenhang auch, dass nicht aufgrund der Konzentration von Migranten in einem Siedlungsgebiet soziale Brennpunkte entstehen, sondern dort, wo ethnische mit sozialen Problemen aufeinander treffen. Nach Bade (2006) findet eine erfolgreiche Integration über die Eingliederung von neuen Einwanderern in die ethnische Herkunftsgemeinschaft statt. Diese sozialen Netzwerke bilden für die Zuwanderer oftmals die Basis für eine gelungene Migration und können einen möglichen „Kulturschock“ vermindern (vgl. Ceylan 2006). Jedoch hebt auch Bade die Problematik und die negativen Folgen einer fehlenden Ausgliederung aus der Herkunftsgemeinschaft in die Mehrheitsgesellschaft, hervor (vgl. Bade 2006, Klingholz et al. 2009).


Soziale Benachteiligung von Migranten und die Auswirkungen auf die Gesundheit

Die schwerwiegendste negative Folge dieser segregativen Erstarrung in den Herkunftsgemeinschaften ist die soziale Isolation der Migranten zur Mehrheitsbevölkerung. Verstärkt durch den Minoritätenstatus in Deutschland entsteht ein Prozess der Marginalisierung, das heißt der Zurückdrängung der Migranten an den Rand der Gesellschaft. Hierbei gibt der Migrant seine kulturelle Identität auf und zeigt gleichzeitig kein Interesse an der Aufnahmegesellschaft, wodurch Migrantengruppen deutlich weniger am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Marginalisierung geht oft mit schwerwiegenden psychosozialen Störungen, psychopathologischen Auffälligkeiten und psychiatrischen Erkrankungen einher (vgl. Klingholz et al. 2009).

Gomolla und Radtke (2007) nennen in diesem Bezug auch die institutionellen Diskriminierungen von Migranten durch gesetzliche Vorschriften oder durch die alltäglichen Diskriminierungen. Die Teilhabe am wirtschaftlichen, und in der Folge am gesellschaftlichen Leben, wird dadurch eingeschränkt. Diskriminierungen finden beispielsweise durch die Ungleichverteilung von begehrten Berufspositionen, ungerechtfertigten Personalrekrutierungen, geringeren Beförderungschancen oder fehlenden Privilegien statt (vgl. Gomolla und Radtke 2007). Es ist jedoch schwierig allgemeine Daten zu dieser Thematik zu führen, da Fremdenfeindlichkeit in unterschiedlicher Weise stattfindet und nur selten zur Anzeige gebracht wird.

Neben den (verbalen) Gemeinheiten wie Missachtung, abfälligen Bemerkungen und Beleidigungen, gehen Diskriminierungen zunehmend auch in körperliche Gewalttätigkeiten, die von Brandstiftung bis zu Tötungsdelikten reichen, über (vgl. Bredehorst et al. 2008). In einer repräsentativen Umfrage der Mehrheitsbevölkerung konnte festgestellt werden, dass die feindseligen Mentalitäten gegenüber Migranten gegenwärtig stark ausgeprägt sind (vgl. Heitmeyer 2007).

Gesundheitliche Folge dieser Benachteiligungen und Fremdenfeindlichkeit ist oftmals ein vermindertes Selbstwertgefühl des Migranten. Im schlimmsten Fall können auch depressive Verstimmungen folgen (vgl. Hansen und Sassenberg 2008). Dessen ungeachtet wird jedoch das Zusammenleben mit der deutschen Bevölkerung, von Migranten immer noch überwiegend positiv bewertet (vgl. Bredehorst et al. 2008).


Diskriminierung in der EU

(Discrimination in the EU)

Ein neuer EU-weiter Report beinhaltet Wahrnehmungen, Erfahrungen, Einstellungen und Verhalten von Menschen in Europa bezogen auf Diskriminierung auf Grund von Geschlecht, Herkunft, Religion oder Glaube, Behinderung, Alter oder sexueller Neigungen.

Den vollständigen Bericht finden Sie hier.

Informationen zum Thema Diskriminierung in anderen europäischen Ländern und der EU allgemein finden Sie hier.


Resümee

Beruf und Arbeitsplatz spielen für die ökonomische Lage eine entscheidende Rolle. Der oft niedrige berufliche Status ist mit schlechten Arbeitsverhältnissen und damit auch mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Vor allem durch Mängel in der schulischen Sprachförderung von Zuwandererkindern ist ihr Bildungsgrad immer noch unter dem der deutschen Jugendlichen ohne Migrationshintergrund. Dies wiederum mindert die Chancen auf einen beruflichen Aufstieg gemessen an den Berufen der Eltern (vgl. BMGS 2005, Thürsam 2008, Weiss 2007).

Der sozioökonomische Status ist jedoch für die gesundheitliche Chancengleichheit besonders wichtig. Neben den Belastungen am Arbeitsplatz kommen ungünstigere Wohnverhältnisse durch das geringere Einkommen hinzu, wodurch die Segregation der Migranten in Siedlungsgebieten verstärkt und damit die soziale Isolation gefördert wird (vgl. Häferling et al. 2005).

Zusammengefasst verdeutlicht dies die direkten Auswirkungen auf die Gesundheit, denen Migranten durch ihre spezifische Lebenslage ausgesetzt sind (vgl. Heinzel-Gutenbrunner 2001). Auch gesundheitsrelevante Verhaltensweisen, wie Rauchen, ungesunde Ernährung und geringe sportliche Aktivitäten, sind in den unteren Gesellschaftsschichten wesentlich ausgeprägter (vgl. Häferlinger et al. 2005, Hurrelmann 2006).

Schlussendlich bilden der Migrationsstatus , die Arbeits- und Berufsanforderungen und die sozialen Lebensformen die Grundlage und den Rahmen für den Gesundheitsstatus (vgl. Hurrelmann 2006).

Literatur:

(References)


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Wenn möglich sollen hinter den folgenden Links aber auch Informationen für spezielle Gruppen eingefügt werden. Falls dies zunächst nicht möglich ist, kann dieser Punkt auch noch zu einem späteren Zeitpunkt vervollständigt werden.

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