5. Qualität der Behandlung: Entwicklung von Ansätzen zur good practice bei der Verbesserung und Anpassung von Leistungen der Gesundheitsversorgung an die Anforderungen von Menschen mit Migrationshintergrund

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Inhalte dieser Seite sollen folgende Bereiche sein: Maßnahmen von Anbietern zur Verbesserung der Effektivität des Versorgungssystems (z.B.

  • "migrantenfreundliche" oder "kultursensible" Versorgung
  • gezielte Gesundheitsförderung für spezifische Gruppen
  • kulturelle Vermittlung
  • Verbraucherbeteiligung
  • Gruppenengagement)




Obwohl sich die kulturelle Vielfalt größerer Städte in der Bundesrepublik Deutschland auch in der Gesundheitsversorgung widerspiegelt und Migranten/innen in großstädtischen Kliniken bis zu einem Drittel der Patienten/innen ausmachen, sind sie in wissenschaftlichen Studien selten repräsentiert. Über die Qualität der Versorgung von Migrantinnen und spezifische Versorgungsbedürfnisse ist wenig bekannt. Bisher wird der Aspekt diversity in Deutschland nicht angemessen berücksichtigt.

Studien und Forschungsergebnisse(Studies and results)

Inhaltsverzeichnis

Empfehlungen zur Verbesserung von Leistungen

(Recommendations for the improvement of benefits)

Forschung

(Research)

  • Migrantinnen und Migranten systematisch in epidemiologische Studien und Gesundheitsberichterstattung einbeziehen
  • Berücksichtigung von Ethnizität, Geschlecht, sozialer Lage und migrationsbezogener Faktoren
  • Gruppen mit spezifischem Gesundheitsförderungsbedarf identifizieren
  • Rezeption erfolgreicher Medien und Materialien der Gesundheitsbildung und –aufklärung bei bisher wenig erreichten Zielgruppen evaluieren

Strukturelle Anpassung der Versorgungsangebote an die soziokulturelle Vielfalt

(strucutral adjustment of benefits to socio-cultural diversity)

  • Interkulturelle Öffnung der Institution
  • Strukturen die der Patientinnenorientierung u. der integrierten Versorgung förderlich sind
  • interdisziplinäre Zusammenarbeit medizinischer und psychosozialer Fachkräfte
  • Verfügbarkeit und Einsatz qualifizierter Dolmetscher/innen
  • systematischer Abbau von institutioneller Ausgrenzungsmechanismen
  • multikulturelle Arbeitsteams
  • Diversity Management
  • Förderung transkultureller Kompetenzen in Aus- und Weiterbildung

Information und Aufklärung, Gesundheitsförderung und -bildung

(Information, health promotion and education)

  • Spezifische Wege und Materialien für unterschiedliche Zielgruppen
  • Vermittlung von Basiskenntnissen
  • zweisprachige Materialien und Medien
  • Bild- sowie audiovisuelle Materialien
  • soziokulturell akzeptable Sprach- und Bildformen
  • existierende Kommunikationsstrukturen (ethnic communities) und Schlüsselfunktionen von Professionellen und Multiplikatoren/innen nutzen
  • peer-education (Frauen-, Mädchengruppen etc.)
  • migrantensprachige Massenmedien


Media:'Sind Migrantinnen gut versorgt? Handlungsbedarf und strukturelle Lösungsansätze.pdf


Strukturelle Innovationen

(structural innovations)


Strukturelle Innovationen zur Verbesserung der Gesundheit und Gesundheitsversorgung von Migranten und Minderheiten bündelt und beschreibt Maßnahmen auf verschiedenen politischen Ebenen (wie Bund, Länder, Kommunen, von Organisationen des Gesundheitssystems, von Einrichtungen der Forschung und Lehre, von Anbietern von Aus-, Fort- und Weiterbildung, von Berufsgruppen und professionellen Netzwerken sowie von NGO's.

Bild:Rezept_IKO-4.jpg

Strukturelle Innovationen umfassen Veränderungen und Angebote zur nachhaltigen Verbesserung der gesundheitlichen Situation und Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund bzw. von Angehörigen von Minderheitengruppen. Zum Bereich der strukturellen Innovationen gehören Maßnahmen wie:

- Organisationsentwicklung (interkulturelle Öffnung bzw. Diversity Management nach innen und außen)

- Personalentwicklung auf der Fach- und Führungsebene (interkulturelle Fach- und Führungskompetenz sowie Teamarbeit)

- interdisziplinäre und -intersektorale Zusammenarbeit (migrationssensible Kompetenznetze- und -bündnisse)

- Stärkung der Gesundheitskompetenz in Migranten- und Minderheitengruppen


Praxisbeispiele

(good practice)

Hier können Praxisbeispiele zur guten Behandlung von Menschen mit Migrationshintergrund eingestellt werden.


Miges - Migration und Gesundheit

(Miges - migration and health)

Ein Beispiel guter Praxis aus Baden-Württemberg

Kurzbeschreibung Im Projekt MIgrantinnenGESundheit (MIGES) arbeitet das Kreisgesundheitsamt Ludwigsburg mit dem Frauenseminar des Projekts Idel (Integration durch Elternbildung Ludwigsburg) und dem Internationalen Frauencafé (Inte-grationskurs) des Vereins Frauen für Frauen e.V. zusammen. Das Projekt ist im Ludwigsburger Stadtteil Eglosheim angesiedelt, einem Gebiet mit besonderem Entwicklungsbedarf, das am Programm „Soziale Stadt“ teilnimmt. Die Bevölkerungsstruktur ist geprägt durch einen hohen Prozentsatz an Empfängern staatlicher Transferleistungen sowie einen überdurchschnittlichen Ausländeranteil. Einschulungsuntersuchungen zeigen einen deutlich höheren Anteil übergewichtiger Kinder aus Migrantenfamilien. Zudem sind Impfstatus sowie die Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen bei dieser Gruppe unterdurch-schnittlich. Das Projekt wendet sich vor allem an türkische Frauen. Ziel ist es, ihnen Wissen und Kompetenzen zu vermitteln, um ihre gesundheitliche Situation und die ihrer Familie zu verbessern sowie ein eigenverant-wortliches gesundheitsförderliches Verhalten zu entwickeln. Seit 2001 finden jährlich acht Workshops mit kreativ- und erlebnisorientiertem Ansatz statt. Neben Gesprächsrunden und Kurzvorträgen werden Rollenspiele und Spielstationen eingesetzt.

Durch die Aktivitäten von Idel gelingt es, Selbstvertrauen und Eigenverantwortung der Teilnehmerinnen zu stärken. Das neu erworbene Wissen wird von den Frauen weiterverbreitet. Sie berichten, dass sie sich bei manchen Themen wie Expertinnen vorkommen und ihren Freundinnen, Kindern und Männern Wissen weitergeben können, über das diese bisher nicht verfügten. Auch die Kommunikation mit Ärztinnen und Ärzten wird erleichtert, Hemmschwellen gegenüber Behörden wie dem Gesundheitsamt und deren Angeboten werden abgebaut. Darüber hinaus konnte bei den teilnehmenden Frauen eine Verbesserung des Impfstatus sowie eine dauerhafte Gewichtsreduzierung durch verbesserte Ernährungsgewohnheiten erreicht werden.

Weitere Informationen zum Projekt: http://www.gesundheitliche-chancengleichheit.de/?uid=0b5f02d57f7eae675d00c6caee9a563e&id=suche1&ssub=2&nr=2

MIGES ist auch über die Praxisdatenbank der BZgA zur Gesundheitlichen Chancengleichheit zu erreichen, wo weitere Beispiele guter Praxis aus ganz Deutschland zu finden sind. Diese bietet einen Überblick über verschiedene Organisationen und Praxisbeispiele auch im Bereich Migranten.

Beispiele guter Praxis für Asylbewerber und Illegale

Beispiele guter Praxis für Migrantinnen und Migranten mit schlechten Deutschkenntnissen

Beispiele guter Praxis für Aussiedlerinnen und Aussiedler mit schlechten Deutschkenntnissen


Literatur:

Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (Hrsg.) (2007): Gesundheit und Integration. Ein Handbuch für Modelle guter Praxis. Zusammengestellt und bearbeitet vom bundesweiten Arbeitskreis „Migration und öffentliche Gesundheit“ der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration. Berlin [1]



Literatur:

(References)

Borde T (2002) Patientinnenorientierung im Kontext der soziokulturellen Vielfalt im Krankenhaus. Vergleich der Erfahrungen und Wahrnehmungen deutscher und türkischsprachiger Patientinnen sowie des Klinikpersonals zur Versorgungssituation in der Gynäkologie. Dissertation. Technische Universität Berlin, Fakultät VIII – Wirtschaft und Management, Berlin

Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration (ed.) (2007): Gesundheit und Integration. Ein Handbuch für Modelle guter Praxis. 2. überarbeitete Auflage. Berlin.

Bundesregierung (2007): Nationaler Integrationsplan. Neue Wege – neue Chancen. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (ed.) pdf


Mehr Publikationen finden Sie hier.


Der Zugang von Flüchtlingen und Asylbewerbern zum Gesundheitssystem


Der Zugang von nicht-gemeldeten Migranten zum Gesundheitssystem


Der Zugang von Kindern und Jugendlichen zum Gesundheitssystem


Der Zugang von älteren Migrantenn zum Gesundheitssystem


Der Zugang von Spätaussieldern zum Gesundheitssystem


Der Zugang von türkischen Migranten zum Gesundheitssystem

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